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CHAUFENSTERPROZESS
  IN VERSAILLES

"Gegen die feindliche Arbeit
bin ich vollständig schutzlos
und wehrlos."
(Albert Apponyi)

Das Verhältnis der Nationen in Gross-Ungarn

Nationalitätenlandkarte Ungarns: verfertigt von Pál Graf von Teleki im Jahre 1920
Ungarn    Deutschen    Slovak    Rumänen    Serben    Kroaten    Rusinen


 
Der Friedensvertrag wurde am 4. Juni 1920 in dem Versailles-er Trianon-Palast unterzeichnet. Das Gebiet Ungarns (wenn man von Kroatien absieht) ist von 282000 km2 auf 93000 km2 geschrumpft, es wurden also 2/3 von seinem Gebiet abgeschnitten. Innerhalb der neuen Grenzen blieben von den 18 Millionen Einwohnern nur 7,6 Millionen. (Obwohl das mindestens ebenso "schuldige" Deutschland hat "nur" 13% von seinem Gebiet und 10% von seiner Einwohnerschaft verloren, Bulgarien je 8%, und die Türkei hat nur jene Gebiete verloren, deren Einwohnerschaft nicht türkisch war.) So sind 1,6 Millionen sich als Ungaren bekennende Menschen in Rumänien, etwa 1 Million in der Tschechoslowakei und ca. eine halbe Million in Jugoslawien geblieben. (Wo Ungarn doch während des Krieges millitärisch stärker war und die Chance hatte, wollte nur einen minimalen Teil der Gebiete der eroberten Staaten behalten.)
  Diese Tatsachen zeigen auch, es war nur unter dem Vorwand die Wirtschaft Ungarns zu ruinieren und dem Verlangen der Expansion Rumäniens, der Tschechoslowakei und Jugoslawiens zu genügen. Wollte die Entente Nationalstaaten entstehen lassen? In diesen Staaten gab es ja nun mehrere Nationalitäten.

  Es wäre ein Irrtum zu glauben, dass bei den Verhandlungen, so wie es sonst bei zivilisierten Umständen üblich sein sollte, die Ungarn angehört wurden. Die von Albert Graf von Apponyi, István Graf von Bethlen und Pál Graf von Teleki geleitete Delegation hätte erreichen wollen, dass über die Schicksale der zur Diskussion stehenden Gebiete durch Volksentscheidung entschieden wird, siehe den Vorschlag des USA-Präsidente, Wilson über das nationale Selbstbestimmungsrecht. Während der wesentlichen Verhandlungen des Friedenskongresses wurde Ungarn schliesslich nicht einmal erhört. „Ungeheuer schwere Tage haben wir erlebt, von jedem Kontakt, von jeder Möglichkeit der Anführung unserer Argumente, von allem, sogar von Privatgesprächen, wo wir unsere Wahrheiten zur Geltung hätten bringen können, waren wir sorgfältig und mit dem undurchbrechlichen Kordon abgesperrt.” - deklarierte Albert Graf von Apponyi. So haben die Teilnehmer über den Inhalt des Vertrages entschieden, insbesondere die "vier Grossen": Georges Clemenceau, französischer, David Lloyd George, britischer, Vittorio Orlando, italianischer und Thomas Wilson amerikanischer Präsident, sowie ihre mit der freizügigen Gebietverschenkung gewonnenen Satellitstaaten: die Delegierten Rumäniens, Tchechoslowakei, des Serb-Kroatien Slowen Königreiches (das spätere Jugoslawien) und umso weniger interessierten Polens und Griechenlandes. Das deferminierende Dokument, das die Geschichte des 20. Jahrhunderts der ungarischen Nation bestimmte, hat der Volkswohlfahrtminister Ágost Bénárd und der Gesandte Lázár Alfréd von der ungarischen Seite unterzeichnet, während die spätere Möglichkeit einer friedlichen Revision vor ihren Augen schwebte.

  Die Zeitung: das "Pester Tagebuch" hat die Nachricht über die Verstümmelung unserer Heimat übermittelt:
  "Die Glocken läuteten in den Budapester Kirchen heute Vormittag, die Fabrikanlagen liessen ihre Sirenen heulen und der traurige Herbstwind übertrug wie einen Klageschrei die schmerzvolle Trauer über den Zusammenbruch der Nation: die ungarischen Bevollmächtigen haben heute um 16 Uhr 30 Minuten in Trianon das Friedensdokument unterzeichnet. Also, heute wurden von uns die glänzenden ungarischen Städten getrennt: das kostbare Kolozsvár (Klausenburg), das Kassa von Rákóczi, die Krönungsstadt Pozsony (Pressburg), das strebsame Temesvár (Temesburg), die Stadt der Blutzeugen des 1848/49-er Freiheitskrieges: Arad und alle anderen, unsere liebevoll erzeugenen Kinder, die wertvollen, schönen ungarischen Zentren. Heute wurden viele Millionen treue und anständige Menschen aus unserem Blut heimatlos und die Fesseln wurden auf beide fleissigen Hände gelegt. Und die Herren der Welt glauben, dass sie ihr Werk beendet haben, nachdem sie uns geplündert, ausgeraubt, ausgeblutet und zerstümmelt hatten, müssen sie uns noch mit einem Blatt Papier als Grabtuch bedecken.
  Unser Schicksal hat sich jedoch noch nicht erfüllt. Wir sind unter den Schlägen zusammengebrochen und unsere Seele hat vor Schmerzen aufgeschluchzt. Aber das Leid reinigt uns die Seele auch so, wie der gottsurteilige Sturm die Luft und die Schläge machen uns noch härter. Der grosse Entschluss formuliert sich in uns in der furchtbaren Stunde der Entsagung, dass wir leben werden und wir erreichen mit anständigem Fleiss, hartnäckiger Ausdauer, heiligem Willen und heiliger Arbeit all das zurück, dem wir heute beraubt wurden."

  Der Vertrag beruht sich eigentlich auf Lügen. Eine der Lügen war die Behauptung von Alexandre Millerands, dem Präsidenten des Botschaftrates vom 6. Mai 1920: "Wenn die Untersuchung vor Ort es notwendig machen sollte, dass die im Vertrag angegebenen Grenzen geändert werden müssen, und wenn die Grenzbestimmungskommissionen der Meinung sind, dass die Festlegungen des Vertrages in irgendeinem Punkt Ungerechtigkeiten enthält, kann Ungarn diesbezüglich bei der Vereinigung der Nationen Einspruch erheben. Die Verbandet- und davon gesellten Mächte waren damit einverstanden, dass die Vereinigung der Nationen den daran interessierten Parteien in dem Sinne zur Verfügung steht, dass Korrigierungen über eine friedliche Regelung erreicht werden können." Der Vertrag enthält auch diesen Zusatz, jedoch wurden die grenzebestimmenden Kommissionen darüber nie informiert, sondern der Rat der Botschafter hat noch an diesem Tag die Verbindung der Nationen darauf verwiesen, die Trianon-Grenze nicht zu verändern. Diese Anweisung wurde erst im Jahre 1922 publiziert.
  Nicht nur das Versprechen der später ehrbaren Überprüfung war Lüge: die tschechischen, rumänischen und serbischen Herrschaften haben über das jahrelange ungarnfeindliche Propaganda hinaus auch unheimlich viele falsche Statistiken "fabriziert", die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hatten. Deshalb löste jeder Volksentscheid-Vorschlag so heftigen Protest aus: zum Beispiel um das Gebiet von Bánság haben sich die Rumänien und Serben lange gestritten. Als sich schliesslich die Möglichkeit bot, dass die Bewohnerschaft über das eigene Schicksal entscheidet, teilten die zwei Länder blitzschnell den Raub: Sie wussten wohl, dass sie keine Chance hätten, wenn die tatsächlichen statistischen Angaben ans Tageslicht kämen, das 75% von Ungarn- und Deutschbesiedelte Gebiet zu erwerben.
  Lloyd George hat viel später, 1928 deklariert: "All die Dokumente, die uns während der Verhandlungen von unseren gewissen Alliierten unterbreitet wurden, waren irreführende Lügen. Wir haben auf Grund von  Fälschungen entschieden."

  Der Friedensvertrag hat die jahrhundertelang fehlende Unabhängigkeit des Landes gesetzlich wiederhergestellt. Eigentlich wurde Ungarn von Westen durch wirtschaftliche- und politische Ruinierung riesiges Hängen geflohen. Man hat aber sehr "aufgepasst", dass sich Ungarn ja nicht zufällig gegen einen eventuellen äusseren Angriff verteidigen kann: der Stand der Armee wurde auf 35 Tausend Kopf eingeschränkt (gegen die 280 Tausend Mann starke rumänische, 185 Tausend Mann starke jugoslawische und 162 Tausend Mann starke tschechoslowakische Armee), der bewaffdete Teil der Donauflotte musste ausgeliefert werden, wir durften die Luftwaffe nicht ausbauen. Eine der verheerendsten Folgen des Trianon-diktats war, dass es die Einheit der organischen Wirtschaft Österreich-Ungarns zerstört hat. Es war einer der Hauptgründe der Abreissung der Wirtschaft des Raumes. (Es stand ja um Interesse der Grossmächte, in dieser Sache waren sie sich einig.)
  Die bedeutendesten materiellen Verluste unseres Heimatlandes: zusammen mit den verlorenen Gebieten war 2/3 vom Ackerland; 4/5 der Eisen- und Kohlegruben  und jede Salz-, Kupfer- und Messingmine, 2/3 der Vieh, jede Haupteisenbahn (hie und da wurde es aus dem Ziel das Verkehrnetz  unzulänglich zu machen die Grenzen wurden noch knapper gezogen); sowie alle gut erhaltenen Eisenbahnwaggon.

  Die Sieger haben zwar die Nachfolgerländer dazu verpflichtet, sich um die Rechte ihrer Minderheiten zu kümmern und die Kultur und die Muttersprache der Minderheiten zu schützen und zu pflegen, trotzdem - wie es voraussichtlich war - wurde genau das Gegenteil dieser Verpflichtung verwirklicht. Die Felder wurden den Ungaren weggenommen, es wurde den Ungaren vorsätzlich die Amtbekleidung, die muttersprachige Sachbearbeitung- und Unterricht, ins Parlament Fliehung mit der Ausspielung des Vertrages unmöglich gemacht. In den meisten Orten lebt die ungarische Minderheit (her und hin ungarische Mehrheit) auch heute in unterworfenen Verhältnissen und wird Demütigungen ausgesetzt: Ungaren können nicht auf den Strassen zwischen den zerstörten Nationalen Gedenkstätten und Denkmälern so bis zum Ende spazieren, ohne dass ihnen nachgerufen wird: "Verfaulter Ungar!"; in den Geschäften wird es ins Gesicht gesagt: "Wir bedienen Ungaren nicht!"; ihre Kinder können sie nicht in ungarische Schulen gehen lassen, weil es keine gibt; sie dürfen manchmal nicht einmal in ihrer Muttersprache das Wort ergreifen; sie freuen sich, wenn ihre Hymne nicht wieder verboten wird; die ungarischen Feste können sie nur mit Angst feiern, ind der Hoffnung, dass der Lokalbürgermeister gerade nachgiebige Laune hat; ...usw

  In dem Vertrag musste Ungarn dafür die Verpflichtung übernehmen, der Staatsunabhängigkeit nicht zu entsagen. Na, nicht als hätte man unser Land gegen die Bestrebungen der umliegenden Grossmächte schützen wollen. Der Anlass war eher, dass die Verstümmelung den Wert wiedergewonnenen Unabhängigkeit so degradiert hat, dass der bedeutende Teil der ungarischen öffentlichen Meinung es gewollt hätte, wenn ein neues Verbündnis, ähnlich der Monarchie, entstanden wäre, die so jedoch unmöglich wurde.

  Die ungarische Friedensdelegation ist am 20. Januar 1921 in Budapest angekommen. Albert Graf von Apponyi (, der vor der Unterzeichnung des Vertrages eine französisch-, englisch- und italienischsprachige Rede von 2 Stunden darüber gehalten hat, dass die Geschichtliche Einheit Ungarns nur gegen die Wahrheit und die Gerechtigkeit zerstört werden darf) sagte den Journalisten unter anderem das Folgende:
  "Ich sage es jetzt auch aus, dass all die neuen Staatsformationen, die aus den Ruinen Ungarns gebaut werden sollen, lebensunfähig sind, weil sie weder auf einen Ideal noch leistende Staatsideal ruhen. Ob es ratsam ist, so lebensunfähige Formationen zu experimentieren, die einen riesigen Rückfall in der Kultur bedeuten; ich zweifele daran. Vielleicht hat es von dieser Erwägung ausgehend ohne Auswirkung auf unsere Feinde. Dazu habe ich indessen keinen positiven Anhaltspunkt. Wenn wir mit unseren Feinden unter ähnlichen Verhandlungsbedienungen direkt verhandeln könnten, wäre es leichter. Wenn ich einmal eine Gelegenheit von einundhalb Stunden habe, um meinen Standpunkt zu sagen, aber es kommt gleich nur der feindliche Standpunkt zur Geltung, dann wäre es Verwegenheit zu glauben, dass die Wirkung meiner Darlegung gegen die feindliche Arbeit erhalten, die wieder beginnt und gegen die ich vollständig schutzlos und wehrlos bin."

  Der französische General, Gondrecourt hat in einem geheimen Brief geschrieben: "Auf dem Friedenskongress haben wir uns in die falsche Richtung verirrt. Wir mussten blind gewesen sein, da wir über dieses Land gar keine Informationen hatten und glaubten, eine solche Verstümmelung Ungarn aufzwingen zu können, ohne es in die Verzweiflung zu stossen. Rumänien und Serbien haben es nicht verdient, dass wir ihre übermässigen Ambitionen befriedigen. Gewiss ist es für ein Land schwer zu leben, wenn ihm weder Kohle, noch Bergwerke, noch Wälder, noch Industrie gelassen wurden. Wir sind wirklich ein bisschen zu weit gegangen."

  Wirklich.